Staatlicher Ausverkauf. Der Privatisierungswahn und seine Folgen

Sehr geehrte Damen und Herren, vom Posthorn zum Füllhorn – das war die Idee: Vor 25 Jahren wurde die Deutsche Bundespost privatisiert. Der Postdienst, genannt die gelbe Post, die Postbank, genannt die blaue Post, und der Fernmeldedienst, genannt die graue Post, wurden in Aktiengesellschaften umgewandelt; am 20. Dezember 1994 wurden die Gründungsurkunden für die drei

Wo bleibt das Positive? Ja, weiß der Teufel!

Sehr geehrte Damen und Herren, auf die Frage, wo das Positive bleibt, hat einst Erich Kästner geantwortet: Ja, weiß der Teufel, wo das bleibt… Das war vor neunzig Jahren. Heute steht das Positive fix im Kalender, soeben war wieder der „Tag des Ehrenamts“. Bundespräsidenten und Bürgermeister preisen an solchen Tagen das „zivilgesellschaftliche Engagement“ und zitieren

Einmauern – oder den Reichtum teilen? Die Zukunft der Flüchtlingspolitik

Sehr geehrte Damen und Herren, die Flüchtlinge flüchten, weil sie nicht krepieren wollen; aber nicht nur deswegen. Viele flüchten, weil sie noch flüchten können, weil sie noch genug Kraft haben, weil sie noch Zukunftshoffnung, weil sie noch genug Geld haben, um wegzukommen aus ihren „failed states“ – Geld, das von ihren Familien aufgebracht wird. Sie

Das versohlte Christkind. Warum wir ein Kindergrundrecht brauchen

Sehr geehrte Damen und Herren, Die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen ist soeben dreißig Jahre alt geworden. Ich habe mir überlegt, wie ein Adventskalender aussehen könnte, der dieses Ereignis angemessen würdigt: Ein Bild von der Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten wäre vielleicht nicht schlecht; Josef floh, so erzählt es die Weihnachtsgeschichte, mit seiner Frau Maria

Letzte Ehre: Vom Sinn des Trauerns

Sehr geehrte Damen und Herren, Soeben, am letzten Oktobertag, dem Reformationstag, wurde in Schwäbisch Hall der Politiker Erhard Eppler beerdigt. Die Trauergäste berichten von einer eindrucksvollen Trauerfeier für einen eindrucksvollen Politiker – in der Hallenkirche St. Michael, einem Gotteshaus, das hoch auf einem Bergsporn inmitten der alten Reichsstadt thront. Eppler war ein christlicher Freigeist. Es

Weiterarbeiten und nicht verzweifeln

Sehr geehrte Damen und Herren, „Weiterarbeiten und nicht verzweifeln“: Das war das Motto, das der Sozialdemokrat Hans-Jochen Vogel viele Jahre lang im Geldbeutel mit sich herumtrug. Herbert Wehner hatte ihm einst den Zettel zugesteckt. Vogel hat ihn gern als Kopie weiterverteilt; mir hat er ihn vor zwei Jahrzehnten geschenkt, als ich mich über die Änderung