Die Division der unterirdischen Krieger

Das Wichtigste vorweg: Dieser politische Roman von Tilman Spengler ist großartig. Er ist sehr amüsierlich, sehr ironisch und nebenbei auch sehr lehrreich. Er handelt von Macht und Ohnmacht in China, von Kabale und Liebe, von List und Tücke, von kommunistischen Konkurrenzen und Karrieren. Er handelt vom Leben und Arbeiten in einem Land, in dem Politkommissare

Isidors Zauberreich, Isidors Hölle

Die Geschichte vom Aufstieg und Ende des jüdischen Kommerzialrats Dr. Isidor Gellert könnte alles Mögliche sein: eine Tragödie, ein Rührstück, ein Zeitdrama, eine erschütternde Farce oder (die Autorin ist die Großnichte des Protagonisten) eine traurige Familienbiografie. Bücher dieser Art, die vom Unglück jüdischer Vorfahren in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts berichten, sind inzwischen Legion,

Auch für die Konzentrationslager wurden Grundbücher angelegt

Auf dem Umschlag steht, es handele sich um ein „glänzend geschriebenes Buch“, um eine „fulminante Studie“. Dergleichen Werbung steht auf vielen Buchumschlägen. Bei diesem Buch ist das kein Geklingel, es ist die Wahrheit. Das Werk von Benjamin Lahusen über die deutsche Justiz in Kriegs- und Nachkriegszeiten ist eine Entdeckung, es ist ein furioses Meisterwerk, es

Befruchtet, gepackt, fasziniert

Der Journalismus heißt so, weil er für den Tag gemacht ist. Es gibt aber journalistische Texte, die sind unbegrenzt haltbar, haltbarer jedenfalls als viele Bücher. Dazu gehören die Reisereportagen von Joseph Roth. Der Journalist und Schriftsteller Joseph Roth, 1894 geboren im galizischen Städtchen Brody in der heutigen Ukraine, reiste in den zwanziger Jahren des vergangenen

Wenn ein Vogel dir auf den Kopf macht, hast du Glück…

…heißt es. Und wenn er woanders hinmacht? Hast Du auch Glück. Dieser Spruch ist einer vielen schönen Mikrotexte, die der 35-jährige syrische Schriftsteller Hamed Abboud zwischen seine 13 Erzählungen gestreut hat. Ich bin im Zuge seiner Lese-Reisen auf ihn gekommen. Abboud ist vor dem Bürgerkrieg in seiner Heimat erst nach Ägypten geflohen und kam dann

Kriegsverbrechervergötzung

Man stelle sich vor, die österreichische Familie Schicklgruber würde auf ihrem Familiengrab ein Steinkreuz errichten: für einen Gefreiten des Ersten Weltkriegs und Träger des Eisernen Kreuzes Zweiter Klasse; für einen Familienangehörigen der Groß-Sippe Schicklgruber, der zwar dort nicht körperlich bestattet ist, weil dessen Asche irgendwo im Großraum Berlin anonym verstreut liegt, aber: das Steinkreuz der

Das gespenstische Echo der Geschichte

Er war Industriekapitän und Politiker. Er war politischer Visionär. Er war Patriot. Er war Staatsmann, Industrieller und Philosoph. Er war Wortführer einer zerrissenen Epoche. Er war ein erfolgreicher Schriftsteller, Salonlöwe und Sozialreformer. Er war ein Verfechter der Gemeinwirtschaft und ein Gegner des Erbrechts. Er wollte mittels Erbschaftssteuern die Gesellschaft grundlegend reformieren und das Proletariat verbürgerlichen.