Da fällt einem das Buch aus der Hand

Dieses Werk ist ein wissenschaftlicher Corona-Thriller. 17 Professorinnen und Professoren des Rechts, der Philosophie und der Soziologie schreiben darin über den elementaren Konflikt, den die Bewältigung der Corona-Pandemie mit sich gebracht hat und den der Versuch der Bewältigung der Klima-Katastrophe mit sich bringen wird: Freiheit oder Leben? Es geht, so der treffende Untertitel, um „das

Der Geist des Konzils und die Steine des Anstoßes

Um Papst Franziskus zu verstehen, muss man wissen, was das Zweite Vatikanische Konzil wollte, was es brachte und was sein Erbe ist. Papst Franziskus versteht sich nämlich als Testamentsverwalter und Testamentsvollstrecker dieses Konzils, das vor gut 60 Jahren, im Oktober 1962, begann. Dieses Konzil war ein gewaltiger Aufbruch, es war der Versuch der katholischen Kirche,

Arbeiten und Beten, Gehorchen und Rebellieren

– so lauten zwei der Kapitelüberschriften dieses Buches über Frauenklöster und Klosterfrauen. Es ist ein wunderbares Buch, optisch und inhaltlich; es ist eines der schönsten Bücher des Jahres 2022, mit diesem Prädikat ausgezeichnet von der Stiftung Buchkunst. Es handelt von der Vergangenheit, der Gegenwart und Zukunft der Frauenklöster und von der Transformation der Klostergemeinschaften in

Das Gift der Ahnen

„Ein Polizeiauto pflügt langsam durch das blaue Grün.“ So beginnt Alex Schulmans autobiografisch eingefärbter Roman „Die Überlebenden“, den ich Ihnen vor gut einem Jahr an dieser Stelle empfohlen habe. Seit Kurzem ist ein weiteres Buch Schulmans auf dem Markt. In Schweden ist der 45-jährige Schriftsteller zum Star aufgestiegen, hierzulande aber noch weitgehend unbekannt. Es mag

Alte und neue Trümmer

Wolfgang Borchert war Buchhändler, Schauspieler, Soldat an der Ostfront und Schriftsteller. Er wurde nicht alt, er starb im Alter von 26 Jahren am 20. November 1947 in Basel, heute vor 75 Jahren also. Einen Tag nach seinem Tod kam in den Hamburger Kammerspielen die Theaterinszenierung seines Hörspiel-Dramas „Draußen vor der Tür“ zur Aufführung. Es handelt

Der blinde Fleck

Die deutsche Geschichtsschreibung hat ein Wahrnehmungsproblem, sie hat einen blinden Fleck: Sie blendet Karlsruhe aus. Das ist kein Problem einzelner Zeithistoriker. Es ist ein Problem aller Gesamtdarstellungen bundesdeutscher Geschichte: Sie werden der Bedeutung der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts nicht gerecht. Der maßgebliche Einfluss der Auslegung des Grundgesetzes durch das höchste Gericht auf Politik und Gesellschaft bleibt