Das schreibt der Holocaust-Überlebende Simon Gronowski über Hitlers Machtergreifung. Dieser Satz gilt nicht nur für das Jahr 1933, er gilt auch für das Jahr 2026 in Deutschland und in Europa. In Sachsen-Anhalt beispielsweise steht eine Partei vor einem Wahlsieg, die von „Umvolkung“ redet, deren Ehrenvorsitzender die Nazis und ihre Verbrechen als einen „Vogelschiss“ in der deutschen Geschichte bezeichnet, in der ein Bundestagsabgeordneter dieser Partei sich als „demokratischer Freisler“ und als „das freundliche Gesicht des NS“ beschreibt, bei der maßgebliche Funktionäre Hitler-Verherrlichung betreiben und die Erinnerungskultur verächtlich machen. Die AfD in Sachsen-Anhalt mit ihrem Spitzenkandidaten Siegmund entwickelt sich, wie Wahlbeobachter sagen, zu einer Art „Bewegung“. Das schmale Buch des bald 95-jährigen Simon Gronowski könnte die Leitschrift einer Gegenbewegung sein.

Die Schrift gründet auf der Lebensgeschichte des Autors, der 1943, als Elfjähriger (wie oben dargelegt) aus dem zwanzigsten Deportationszug nach Auschwitz gesprungen ist – und der als Holocaust-Überlebender bis heute ein Mahner für Frieden und Toleranz ist. Seine nur 112 Seiten umfassende Schrift ist kein Bericht über die Nazi-Verbrechen, sie stellt nicht das Trauma in den Vordergrund. Sie ist ein Plädoyer gegen den Hass – unprätentiös, unpathetisch, schlicht und verständlich. Dieses Büchlein zur Verteilung zu bringen wäre vielleicht wirksamer, als Flyer mit der Wahlwerbung der demokratischen Parteien in die Briefkästen zu werfen.

Simon Gronowski: Absprung ins Leben. Plädoyer für den Frieden. Das Buch hat 112 Seiten, es ist, aus dem Französischen übersetzt von Dominique Elsaesser, im Umland-Verlag erschienen und kostet 19,95 Euro. Das Hörbuch dazu wird warm und ausdrucksstark gelesen vom Schauspieler Felix von Manteuffel, Gesamtlaufzeit eineinhalb Stunden; es kostet 14,95 Euro.