Das Bundesland Nordrhein-Westfalen, es ist das bevölkerungsreichste aller deutschen Bundesländer, wird am 23. August achtzig Jahre alt. Menschen kriegen bei so einem Anlass einen Geburtstagskuchen. Das Land NRW bekommt, schon vorher, einen prächtigen Bildband – so wohlgelungen, so informativ, so packend, dass man sogar als Bayer begeistert darin blättert. Die Begeisterung hat auch damit zu tun, dass einem die zweihundert meisterlichen Fotografien anschaulich erklären, wie und mit welchen Menschen das deutsche Wirtschaftswunder an Rhein und Ruhr entstanden ist.

Auffällig ist in dem Buch, dass auf den Fotos wenig Zechenleben vorkommt. Es wird so deutlich, dass Nordrhein-Westfalen nicht einfach nur das Ruhrgebiet ist. Die Fotos stammen von den einstmals berühmten und heute weitgehend vergessenen Meisterfotografen Paul Wolff und Alfred Tritschler, die Land, Leute und ihre Arbeit „ästhetisch und mit gutem Blick für Detail und Dramatik“ in Szene gesetzt haben, wie dies der SZ-Rezensent Robert Probst rühmt. Hans Matthiesen, Chefredakteur des Bonner General-Anzeigers, hat die Bilder, die Zeit und ihren Zeitgeist klug erklärt. Das wunderbare Bild auf Seite 24 braucht keine Erklärung: Es zeigt einen Schweinebauern aus Appelhülsen, der, übers ganze Gesicht lachend, sein großes Ferkel im Arm hält. Es ist ein Glücksfoto. Es ist ein Bild, das dafür steht, dass dieses Land NRW trotz aller Umbrüche und Malaisen, Schwein gehabt hat.

Helge Matthiesen (Text), Dr. Paul Wolff und Alfred Tritschler (Fotos): Nordrhein-Westfalen. Aufbruch ins Wirtschaftswunder. Das Buch mit 176 Seiten und 200 Abbildungen ist 2025 im Kölner Greven Verlag erschienen. Es kostet 40 Euro.