Im letzten Kapitel seines Buches über die fünfziger und sechziger Jahre schreibt Harald Jähner, wie aus einer unbekannten Kapelle im schäbigen Hamburger Club „Indra“ eine Band wurde, die den Gefühlshaushalt der halben Welt so sehr veränderte, wie es nicht einmal Elvis Presley gelungen sei: „Mit Songs wie ‚Eight Days A Week’ oder ‚Can’t Buy Me Love’, beide 1964 veröffentlicht, trafen die Beatles den Nerv der Zeit – und die jaulte auf, kreischte und jubelte, wie man es noch nicht erlebt hatte.“

Der Autor, der bis 2015 Feuilleton-Chef der Berliner Zeitung war, ist gut im Aufspüren des Zeitgeistes der Gründerjahre der Bundesrepublik und der Bewertung seiner Erscheinungsformen – wenn er beispielsweise feststellt, „dass in der Arglosigkeit der Beatles ihr progressivstes Element“ gelegen habe. Jähner ist ein akribischer Zeitgeschichtler, einer, der im Kleinen das Große entdecken kann – wenn er etwa schildert, wie Deutschland einkaufen und über seine Verhältnisse zu leben gelernt hat; oder wenn er im Kapitel über den „Chick der frühen Jahre“ das Design der Demokratie beschreibt. Jähners Buch handelt von der Mentalitätsgeschichte der jungen Bundesrepublik. Die Lektüre ist ein Vergnügen.
Harald Jähner: Wunderland. Die Gründerzeit der Bundesrepublik 1955 – 1967. Das Buch ist in der 2. Auflage im Oktober 2025 bei Rowohlt Berlin erschienen. Es hat 479 Seiten und kostet 32 Euro.