Meine Buchhändlerin hat dieses Kinderbuch in ihr Schaufenster gelegt und meine Enkelkinder schauen mit Vergnügen die liebevoll und witzig gezeichneten Tiere und Sachen darin an. „Viel zu viel Zeug“ erzählt in gereimter Form (leider etwas gestelzt aus dem Englischen übersetzt) die kleine Geschichte des Elsternpaares Tina und Tim. Diese staffieren das Nest, in dem ihre vier Eier liegen mit so viel Kram aus, dass es schließlich zusammenbricht. Zum Glück (und da fragen Kinder, ob das denn wahrscheinlich sei) sind inzwischen die vier Küken geschlüpft – und sehen nach dem Zusammensturz des Sachenturms ihre Eltern. Die heruntergepurzelten Sachen werden nun von anderen Tieren genutzt: Aus den Ringelsocken werden Bettchen für die Mäuse-Babys, die Fuchsfamilie zieht in das alte Auto, die Eichhörnchen nutzen den Kinderwagen als Seifenkiste, Vogelpaare ziehen in die Kuckucksuhren; der Dachs fegt die Reste zusammen. So wird Recycling und Upcycling schon im Kinderbuch-Wald praktiziert.

In einem Kinderbuchblog heißt es, mit diesem Buch werde bei den Eltern ein Nerv der Zeit getroffen. Daran zweifle ich etwas. Die Plastikwunderwelt und das mehr Haben-wollen werden schließlich von der Erwachsenen-Welt an die Kinder herangetragen.

Emily Gravett: Viel zu viel Zeug. Aus dem Englischen übersetzt von Uwe-Michael Gutzschhahn. Verlag Fischer Sauerländer Frankfurt, 2021. 15 Euro.