Die Welterbe-Konvention von 1972 gründet auf der Vision, kulturelles und natürliches Erbe „von außergewöhnlichem universellem Wert“ zu identifizieren, zu schützen und für künftige Generationen zu bewahren. „Zerstörung ist einfach. Bewahrung ist die wahre menschliche Größe“: Das sagt der große japanische Maler Ikuo Hirayama zum Autor dieses Buches, als die beiden zusammen 1999 in Hiroshima stehen. Der Maler war fünfzehn, als er die Atombombe überlebte – und er erzählt seinem Gesprächspartner vom Inferno. Er erzählt davon, wie seine Klassenkameraden verdampften und die alte Welt in einem roten Blitz unterging. Zur Erinnerungskultur, die der Ökologe Bernd Freiherr Droste zu Hülshoff eindrucksvoll und beschwörend beschreibt, gehören auch die Mahnmale für die Schattenseiten der Menschheit.

Als Gründungsdirektor des Unesco-Welterbezentrums führt er in seinem Buch zu 53 Orten, an denen sich entscheidet, was die Menschheit als ihr gemeinsames Erbe bewahren will. Der Autor, dessen akribische Begeisterung ansteckend ist, spricht von einem „Archiv der Ewigkeit in der Zerbrechlichkeit des Seins“. Die Stätten des Welterbes, so führt er uns ein, erleben wir heute in der Regel als touristische Sehenswürdigkeit wie Venedig, wie das Taj Mahal oder wie Ägyptens Pyramiden. Oder sie begegnen uns als Katastrophenmeldungen in den Medien wie die Sprengung der Buddha-Statuen durch die Taliban in Afghanistan oder das Korallensterben am Great Barrier Reef in Australien.

Zu den Katastrophen, daran lässt Droste zu Hülshoff keinen Zweifel, zählt auch die „America First“-Politik des US-Präsidenten Trump. Droste zu Hülshoff versucht, eine Philosophie des Welterbes zu entwickeln: Es sei dies, in letzter Konsequenz, ein Projekt gegen die menschliche Selbstauslöschung. Das institutionalisierte ‚Trotzdem‘ der Kultur gegen das Ende durch Vergessen.

Der Autor – bei der Ur-Urgroßmutter dieses Namens kein Wunder – ist ein begeisterter und leidenschaftlicher Erzähler. Sein Buch ist das politische Testament eines 88-Jährigen. Es ist zugleich kenntnisreiche Analyse und engagierter Appell.

Bernhard Freiherr von Droste zu Hülshoff: Welterbe in Gefahr. Wie eine Menschheitsidee zum Spielball von Politik und Geld wurde. Das Buch ist soeben im Olms-Verlag erschienen; es hat 252 Seiten und kostet 29,80 Euro.