Diese Leseempfehlung ist ein verspäteter Geburtstagsglückwunsch für eine Frau, die eine geniale Romanschreiberin ist: Petra Morsbach wurde vor ein paar Wochen 70 Jahre alt. Lesenswert ist Morsbach immer; aber am besten ist sie, wenn sie mit akribischer Leidenschaft über andere leidenschaftliche Frauen schreibt – wie in ihrem neuen Werk, das den Titel „Orion“ trägt. Es ist 2026 erschienen und ein lebenspralles Buch über das spektakulär unspektakuläre Leben einer Ich-Erzählerin namens Nora Meyer, die Lehrerin für Deutsch und Geschichte an einem oberbayerischen Gymnasium ist und der Literatur verfallen.

Ich habe das neue Buch mit der neugierigen Spannung gelesen, mit der ich vor Jahren schon Morsbachs Roman „Justizpalast“ gelesen habe; dort hatte sie das Milieu der Justiz ausgeleuchtet; im neuen Buch leuchtet sie das Milieu Gymnasium aus; sie schildert Lehrerschicksale, sie schildert Schülerschicksale. Als ich 2017 für Morsbach die Laudatio zur Verleihung des Wilhelm-Raabe-Preises (der Stadt Braunschweig und des Deutschlandfunks) für den „Justizpalast“ habe halten dürfen, sagte ich, ich hätte „nie einen literarischen Text gelesen, in dem über die Justiz und ihren Alltag … so umfassend erfassend und so packend geschrieben wurde“. In „Orion“ packt Morsbach nun die Welt des Gymnasiums so an. Sie ist eine Meisterin der Milieustudien. Wenn Sie noch eine Urlaubslektüre suchen: Hier ist sie.

Petra Morsbach: Orion. Roman. Das Buch ist 2026 im Penguin Verlag erschienen, es hat 417 Seiten und kostet 26 Euro.